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Gastkolumne: Hartmut Reliwette über sein Joseph-Beuys-Gedächtnis-Labyrinth (Teil 3 und Schluss) (01.09.10)
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Mittwochs kommen(tieren): Brigitte & Ludwig

Die Kolumne des Teams "hier klicken Mittwochsteam"

Dienstag, 31. August 2010, 16:18:
Gastkolumne: Hartmut Reliwette über sein Joseph-Beuys-Gedächtnis-Labyrinth (Teil 3 und Schluss)
von hier klicken LudwigJanssen

Ende der „rührseligen Angelegenheit“, Beginn einer neuen Labyrinthinterpretation: der „Joseph–Beuys–Gedächtnisgarten“,
das „Forum im Labyrinth“.


Das Forum ist nach römischer Interpretation der Marktplatz, auf dem sich das Leben abspielt, u. A. das merkantil-demokratische Leben: „Leben und leben lassen“ oder „ Nimm so viel du kriegen kannst!“
Das Forum ist heute eine Begegnungsstätte meist mit kultureller Nuancierung.
Man redet dort, trägt vor, zeigt auf: Beuys sagte, dass ein Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler nach dem „oszillierenden Prinzip“ zu gestalten sei: mal ist der eine Lehrer, der andere Schüler und mal umgekehrt. Im Übrigen gehe die Kompetenz reihum.
Wenn ich also ein Lebenslabyrinth einem verstorbenen Freund widme, muss über weite Strecken das Rührselige auf der Strecke bleiben. Denn Beuys schaltete das Privatleben aus seiner künstlerischen Mission, die er in sich fühlte, weitestgehend aus.
„Lasst die Fackeln nicht erlöschen“, rief er anlässlich einer Rede im Lembruck-Museum aus, schon vom bevorstehenden Tode gezeichnet.
Wen meinte er? Er meinte den inneren Kreis seiner Mitstreiter, den Johannes Stüttgen, seinen Meisterschüler und Sekretär, die Mitarbeiter der FIU Stellen, u. A des Grillo-Gymnasiums in Gelsenkirchen, die jungen Leute, die in seinem Atelier in der Kunstakademie die Computer bedienten, die er ihnen zur Verfügung gestellt hatte.

Das Labyrinth in der Vorstellung meiner Jugendjahre konnte so nicht entstehen, das war mir klar. Es war vielmehr so, dass es nach dem Konzept errichtet wurde, kreative Kräfte zu sammeln, sie sicht- und hörbar werden zu lassen. Dazu gehört folgende Überlegung: Der Künstler sollte sich selbst in der Form disziplinieren, dass er sich von der selbstgefälligen Selbstdarstellung entfernt und anderen den Podiumsplatz überlässt, wobei dem „Publikum“ eine besondere Rolle zugedacht wird: es wird in den schöpferischen Akt einbezogen, z. B. über Performances. Also erfährt hier der Begriff von der Bildhauerei eine völlig neue Bedeutung, weil eben mit Menschen gearbeitet wird. Das Menschenbild wird „gestaltet“.

Das käme der künstlerischen Idee des Joseph Beuys insofern ziemlich nahe, als dass er politische Momente in die Kunst einbrachte, was es vorher noch nicht gab. Konsequenterweise ließ er sich seinerzeit als Spitzenkandidat in der Landesliste NRW für die GRÜNEN aufstellen.

Ebenso wie ich war Beuys ein Symbolist. Ich nannte meine Kunstrichtung, die ich nach außen hin vertrat, „Neosymbolismus“, auf den Spuren der Symbolisten um 1900, deren erklärte Idee es war, Literatur und bildende Kunst zu einer Einheit zu verschmelzen.

Auch diese Idee wollte ich im Labyrinth-Forum verwirklichen, nachdem mir klar wurde, dass der Beuys einen Gedenkplatz haben musste. Da er zu Lebzeiten bereits ein Denkmal war, nämlich als ein Vorreiter für gesellschaftspolitische Ideen, war es schade, dass er seine Asche sang- und klanglos in die Nordsee versenken ließ.

Und wenn jemand diesen Garten betritt mit dem Ziel, den Platz mit der Bühne im Inneren zu erreichen, muss er Hindernisse überwinden, Wege suchen, indem er die Orientierungsfähigkeit und das Durchstehvermögen trainiert. Dann darf sich der Suchende nicht von ein paar Kratzern aufhalten lassen oder Wespen und Kreuzspinnen, die sich in den Hecken eingenistet haben.
Und so wurden befreundeten zeitgenössischen Künstlern und Autoren, die den Ideen Beuys nahestehen, die verschiedenen Gänge gewidmet. Außerdem wurden sie mit einer limitierten, handsignierten Labyrinthfackel bedacht und als Fackelläufer geehrt.
Kommentare zu dieser Teamkolumne

loslosch
Kommentar von hier klicken loslosch, 01.09.2010diesen Kommentar melden
Ich bekenne offen: Beuys kann ich nicht und mag ich auch nicht können.

... vom [bevorstehenden] Tode gezeichnet ...

... seine Asche sang- und klanglos in die Nordsee versenken ließ ... Na, na, unfreiwillige Komik.

Die GRÜNEN damals und heute. Dazwischen liegen Welten. Lo
argot
Kommentar von hier klicken argot, 03.09.2010diesen Kommentar melden
... insofern ziemlich nahe, als [dass] er ...

Dass es vor B. keine politischen Momente in der Kunst gab, halte ich für erklärungsbedürftig. Das ist ja eine ziemlich starke These, die nicht einfach so in einem Nebensatz abgehandelt werden sollte.
Reliwette
Kommentar von hier klicken Reliwette, 04.09.2010diesen Kommentar melden
Zu Loslosch: man kann natürlich vorverfügen, we man es nach dem Ableben haben möchte zB. den eigenen Abgang sang- und klanglos gestalten (lassen).

Zu Argot: ist ja längst bekannt, dass es vor Beuys keinen Künstler gab, der Politkunst machte. Es gab wohl Künstler, die gesellschaftspolitisch aktiv waren, es aber in ihrer Arbeit beim Beschreiben von Zuständen bewenden ließen ( z.B. Zille, Bruegel,Bosch . Aber niemand von ihnen hatte ein konkretes Konzept um direkt in den politischen Ebenen mitzumischen.


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