Kommentare und Diskussionen zu diesem Text

Kommentar von Weltenwandler (22.06.2010)
 Hallo janna,
ich mag es sehr, und mag auch, dass es zum Ende trauriger wird, weil ich traurige/nachdenkliche Gedichte - sofern sie gut sind und deines ist gut - unheimlich gerne lese. Das Gedicht ist sehr bildhaft und macht es mir leicht, mich in die Geschichte hineinzuversetzen.
Dennoch ein paar Kritikpunkte:
Die Inversion im zweiten Vers. Spontan ist mir das "Elternhaus" eingefallen, wobei der Begriff ja auch im übertragenen Sinne angewandt wird und nicht immer ein tatsächliches Haus meint.
"Es gab ein großes Glas mit Limonade,
vom Kuchen, was das Kinderherz begehrte."
Meinst du "vorm Kuchen"? Und begehrt das Kinderherz die Limonade mehr als den Kuchen? Wie wärs mit "beim Kuchen, den das Kinderherz begehrte"?
Im Vers darauf schreibst du "den Riegel Schokolade", als habe es nur einen gegeben, obwohl das LyrIch doch "manchmal" einen isst. "Einen Riegel" fände ich daher passender, was ja auch machbar wäre, wenn man das "auch" wegließe.
"und ging am dritten Tag nach Mitternacht."
Warum gerade nach Mitternacht? Das erschließt sich mir nicht und kommt irgendwie zu plötzlich. Der Vers würde in meinen Augen mehr Sinn machen, wenn aus dem Gedicht hervorginge, dass um Mitternacht irgendetwas bestimmtes passiert ist, es also einen Grund gibt, sich darauf zu beziehen.
Der letzte Vers ist meines Erachtens leider einer der schwächsten, was schade ist, weil das Gedicht nicht mit der gleichen Ausdrucksstärke endet, die es zuvor ausmacht. Das "Herzeleid" ist dem Kitsch nahe, bzw. passt es nicht zur modernen Sprache, in der die anderen Verse geschrieben sind.
Ja, alles in allem: Ein paar Kritikpunkte hab ich schon, aber insgesamt mag ich das Gedicht sehr, vor allem aufgrund seiner Bildhaftigkeit, die mich schnell zum Teil der Geschichte macht. Ich find's schön.
Alles Liebe
Weltenwandler
janna meinte dazu am 22.06.2010:
Hallo Du, zuerst mal vielen Dank für Deine ausführliche Kritik.
Also zunächst mal zu Punkt 1:
Da hast Du uneingeschränkt Recht, das werde ich ändern. ;)
Punkt 2.
Nö, ich meinte schon "vom"
Es ist ein Nebensatz, da fehlt nur das "und".
Das möchte ich so lassen, denn ich denke, die Lesart bestimmt hier das Verständnis.
Punkt 3:
Naja, da kann man geteilter Meinung sein, ich finde beides okay.
Punkt 4:
Weil er kurz nach Mitternacht starb. :)
Punkt 5:
Jo, das "Herzeleid" ist abgegriffen, das ist richtig. Es erschien mir dennoch passend und ich denke, gerade wenn ein Gedicht weitgehend ohne larmoyante Elemente auskommt, darf man dann auch mal einen solchen Ausdruck verwenden. Ich nahm mir die Freiheit.
Hab mich sehr gefreut über Deine Auseinandersetzung mit dem Text.:)
Liebe Grüße
janna
Beaver antwortete darauf am 22.06.2010:
:o) Die Stelle mit dem "Elternhaus" hatten wir damals auch diskutiert, Janna. Und ich singe sogar "von meinem Elternhaus"... :o)
janna schrieb daraufhin am 22.06.2010:
Jupp, das fiel mir eben ein. Hatte ich bei der Ersteinstellung hier korrigiert, aber auf der Festplatte war noch die nicht korrigierte Version. ;)
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Kommentar von Beaver (22.06.2010)
 Janna, dieser Text wird mich begleiten. Für immer. Er erzeugt eine solche Melancholie, eine solche Sehnsucht, dass sich tausende Erinnerungen aus meiner Kindheit in meinem Kopf breit machen und gleichzeitig schmerzen und streicheln. Ich lese die Zeilen, sehe Dich im Hof, im Garten... und sehe gleichzeitig unser altes Haus, den Garten, meine Freunde, unsere Abenteuer und weiß, das alles kommt nie wieder. Man wird nie wieder so geborgen sein, wie als Kind. Man wusste nicht, dass Zeit vergeht, dass Dinge sich ändern. Alles war da und jeder Tag war wie ein ganzes Leben, erfüllt von tausend Dingen - die für uns Erwachsene so selbstverständlich sind, dass wir zu bedauern sind, da unser Alltag so arm und ungestillt ist. Der Zauber der Kindheit kommt nie wieder. Und manche Geheimnisse bleiben auf ewig ungeklärt. Wie das Leben.
Kennst Du von Stephen King "Die Leiche"? Verfilmt als "Stand by me" in den 80ern. Das musst Du mal lesen!! Ich lese das jedes Jahr, und jedes Mal will ich nur noch weinen, weil das Leben so unglaublich unvorstellbar vergänglich ist.
Schau doch auch mal bei youtube nach Kettcars "Verraten". Da gibts zwar kein Video zu, aber achte auf den Text!!
http://www.youtube.com/watch?v=91DuqmP_c1c
...
Anders, aber ebenso berührend:
http://www.youtube.com/watch?v=61PL3KJFPss
...
Ich muss aufhören, sonst bleibt kein Platz mehr für andere Kommentare. *lächel* Nur soviel noch: Dein Text ist ganz ganz großartig, er berührt mich zutiefst. Und ich danke Dir, dass ich ihm eine Melodie geben durfte.
Morgengruß
Manu
(Kommentar korrigiert am 22.06.2010)
(Kommentar korrigiert am 22.06.2010)
janna meinte dazu am 22.06.2010:
Hallo Manu,
das ist ein wunderschöner Kommentar, der mich jetzt wieder ein bisschen entschädigt für all das, was da mit einem Tastenklick von der Bildfläche verschwand. :( Du wirst es nicht glauben, aber als ich heute Morgen wach wurde, dachte ich, dass ich "Großmutters Garten" heute einstellen muss, um Dir eine Freude zu machen. Ich erinnere mich auch noch sinngemäß an viele der Kommentare, die dieser Text hatte.
Und ja, es ist eines der Gedichte, in die Herzblut fließt, während man schreibt, ich hab geheult, als ich all die Bilder vor mir sah. Das Haus meiner Großeltern und der Garten waren mein Paradies der Kindheit und irgendwie hat mir das immer wieder durch schwere Zeiten hindurch geholfen. Nein, es kommt nicht wieder, aber es ist immer noch da und keiner, wirklich keiner kann es Dir nehmen. Es ist schön, einen Leser so berühren zu können; für einen Schreiber gibt es kein schöneres Lob.
Die Links gucke ich mir später an, ich muss jetzt zur Post, sonst weint jmd. oO
Und den Film kenne ich, glaube ich zumindest.
Vielen Dank und liebe Grüße an Dich
janna
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Kommentar von Kontrastspiegelung (22.06.2010)
 Kann es sein, das hier zufälligerweise ein Wörtrchen aus dem Text nicht gesungen wurde?
"es war ein unvergesslich schöner Kinderspaß.
Ansonsten finde ich es schön, traurig, was für mich Persönlich weiter gesungen werden könnte.
mlg Konti.
janna meinte dazu am 22.06.2010:
Danke für den Hinweis, Konti. Zwei Silben sind zu viel, auch das hatte ich damals korrigiert ( Manu hatte es entdeckt) aber auf der Festplatte ist noch die unkorrigierte Version, die ich heute postete. ( Janna, Du Schlampe!!) ;)
Danke Dir und grüße lieb
janna
(Antwort korrigiert am 22.06.2010)
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Kommentar von Liadane (22.06.2010)
 Unglaublich schön, wenn es auch Wehmut weckt und etwas traurig macht.
Heute schau ich schon meinem Enkel beim schaukeln zu.
Wie die Zeit vergeht!
Liebe Grüße,
Li
Vincent21 (21) meinte dazu am 22.06.2010:
Die Zeit vergeht so schnell, doch was niemals vergehen wird sind die Gedanken an die Kindertage! Erinnerungen leben ewig, das ist herrlich, denn die Kindheit möchte man nicht vergessen, sofern sie schön war! Meine Oma ist bereits schon dreifache Uroma. Immer, wenn sie ihre Urenkel seht, sagt sie, dass sie uns vor ihren Augen sieht, als wir noch so klein waren. Es kommt ihr wie gestern vor...
Sehr gelungen die Erinnerungen aus der Kindheit wiederzugeben auf diese Weise!
Alles Liebe
Vincent
janna antwortete darauf am 22.06.2010:
Hallo Li,
tja, was soll ich erst sagen. Die Zeit vergeht, aber die Erinnerung bleibt. Ich habe ein enorm gutes Gedächtnis, manchmal ist das übel und manchmal ist es wunderschön. Mein Großvater war ein toller Mann, er dichtete, spielte diverse Instrumente und lehrte mich so schöne Dinge wie die Liebe zur Natur. Meine Großmutter war eher praktisch veranlagt, aber sie gab mir Geborgenheit und Aufmerksamkeit. Solche Großeltern vergisst man nicht. :)
Vielen Dank für Dein Lob ind LG
janna
@ Vincent
Auch Dir vielen Dank und Grüße
janna
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Kommentar von Maya_Gähler (22.06.2010)
 Liebe janna... kann es sein, dass du diesen Text schon einmal eingestellt hattest? Ich mag mich irgendwie dran erinnern, kann auch sein, dass du einen ähnlichen Text hast. Aber egal, wie auch immer... er ist wunderbar... ich mag ihn... Erinnerung, Melancholie, Sanftheit, Dankbarkeit lassen diesen Text leben.
Liebe Grüße
G.
janna meinte dazu am 22.06.2010:
Liebe Maya, ich hatte mich doch ganz gelöscht und somit waren alle Texte weg. Nun bin ich wieder da und stelle nach und nach wieder die ein, von denen ich weiß, dass sie gemocht wurden und die ich selbst noch mag. Hab beim Durchchecken gemerkt, dass es ganz sicher nicht mehr alle sein werden, der Schreibstil verändert sich halt und manches stellt mich jetzt nicht mehr zufrieden.
Aber ich finde es schön, dass du dich erinnerst!
Vielen Dank und liebe Grüße
janna
Maya_Gähler antwortete darauf am 22.06.2010:
da siehste mal, was alles an mir vorbei ging... war halt auch ne Weile out of order hier... schön, dass du wieder da bist... und es beweist, dass gute Texte im Gedächtnis haften bleiben :o)
janna schrieb daraufhin am 22.06.2010:
Ich glaube, ich war 10 Tage weg. *gg* Logisch, dass das nicht jeder mitbekommt.;)
Danke nochmal und LG
janna
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Kommentar von Vaga (01.07.2010)
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Kommentar von Lala (10.08.2010)
 Hallo Janna.
Die Strophen, die eine versunkene, heile Kinderwelt beschwören, sind hart an der Honigkuchenpferdgrenze, aber trotzdem gut gemacht. Sie gemahnten mich an Urlaubserinnerungen, im „Grünem Baum“ und „Apfelstrullio“. Ja, ok: es war schön, aber es ist vorbei.
Kürzlich, an diesem Wochenende, den Rest von „Die Brücken am Fluss“ gesehen. „Klaus Ostwalds“ gut gemachtes Herz-Schmerz Melodram über verpasste Chancen, Herzeleid und Pflichterfüllung. Ich weiß nicht ob Du den Film kennst, aber die Rolle; die Meryl Streep spielt, erinnert mich an diese Großmutter, die in Deinem Gedicht wehmütig den Zügen hinterherschaut. Bei den „Brücken am Fluss“ wird das Thema den „Zug“ bewußt verpasst zu haben, an der Kreuzung geradeaus gefahren und nicht abgebogen zu haben, ausgewalzt und Omas Herzeleid mittels eines Tagebuchs den (Enkel)Kindern schwarz auf weiß offenbart.
Das Kind, welches in Deinem, in diesem Garten von Großmuttern, spielt, kann auch nach gefühlten Äonen nur ahnen, welche Kräfte hinter den Kulissen ihrer Omama schlummerten. Ein Tagebuch, ein Beweis, Aufzeichnungen aus der Nachlasstruhe gar, wie in dem von mir erwähnten Film, gibt es für dieses Kind nicht. Die Sehnsucht bleibt ungesagt und teilt sich dennoch in nur einem Blick mit. Aber auch nur vielleicht. Vielleicht ist der Zuckerguss der ersten Strophen aber zu süß und der Zweifel daran zu kurz und zu fett aufgetragen? Besonders an diesr Stelle:
Es war, als ob sie irgendwas vermisste.
Das ist wie ein Off Kommentar in einem Film. Bei Off Kommentaren in einem Film bin ich der Meinung, dass sie von Schwäche zeugen. Erzähl’s nicht, zeig es. Das gilt auch hier, wenn auch in der Form: Erklär’s nicht, erzähl’s. Der Blick zur „Wilden 13“ reicht mir völlig. Was mich aber auch wieder zur Frage bringt, ob hier nicht ein Prosa Text ein besseres Werkzeug wäre, als es ein Gedicht sein kann?
Worüber ich noch immer nachdenke, ist, ob die Selbstverleugnung seitens der (Groß)Eltern, die Entsagung, die Verneinung der Selbstverwirklichung, die kindliche Erinnerung an eine „heile Welt“ erst möglich gemacht hat? Das wäre schrecklich, oder? Das bedeutete doch, dass es das Honigkuchenperd nur gibt, wenn ein anderer seinen Zug fahren lässt? Das wäre für mich der bitterste Riss in einer heilen Welt. Sage noch einer, die 68er wären an allem schuld. So gut kann der Zwetschgenkuchen gar nicht riechen, obzwar sein Duft verführerisch ist. Und nicht zu knapp.
Gruß
Lala
janna meinte dazu am 10.08.2010:
Hallo Lala, zunächst vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar.
Den von dir erwähnten Film sah ich auszugsweise, und da er mich nicht fesseln konnte, zappte ich hin und her und habe nicht viel mitbekommen.
Okay, du nennst es Zuckerguss und im Grunde genommen ist es das auch. Ein Blick in die Kindheit und zwar in einen Teil, der 50 Jahre später verklärt erscheinen mag. Obwohl mir das während des Schreibens bewusst war: Mein Blick auf diesen Teil meiner Kindheit ist so und nicht anders. Bis auf den Zigarrenrauch, den ich mit Empfindungen verknüpfte, ist alles so gewesen, zumindest ist es in meinem Gehirn so gespeichert.
Selbstverleugnung? Das könnte zutreffen, aber die "Entsagung" hat sich die Großmutter nicht selbst auferlegt, sondern der Krieg tat das.
Es war, als ob sie irgendwas vermisste.
Das ist ein erzählendes Gedicht, das weitgehend ohne Metaphern und verschlüsselte Botschaften auskommt. Diesen Vers fühlbar zu machen oder ausführlicher, hätte mich weit abschweifen lassen müssen. Ich habe allerdings dazu ein Gedicht geschrieben, das ich irgendwann wieder einstellen werde und das in diesen mehrteiligen Text reingehört.
Prosa? Nä. Du weißt doch, dass ich ein Reimbeutel bin und mich an nahezu jedem Thema reimend vergreife. ;)
Das Honigkuchenpferd erinnert mich jetzt übrigens auch wieder an meine Kindheit. Ein Ausdruck, den mein Vater gern verwendete.
Aber du weißt den Duft von Zwetschgenkuchen zu schätzen, der ist noch heute genau so unwiderstehlich wie damals.
Liebe Grüße zurück
janna
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